Dr.med. Erich Aschenheim

Geboren am 4. Februar 1882 in Berlin
Der Arzt wohnte in Krailling in der Georg-Schuster-Straße 26. Seine Praxis in Krailling musste er im Oktober 1938 aufgeben, da Juden die ärztliche Approbation aberkannt wurde. Am 4. Mai 1941 ist er nach einem Suizid in Krailling gestorben. Seine Ehefrau Annemarie Aschenheim, die er am 9. Oktober 1920 in Düsseldorf geheiratet hat, schrieb laut der Gemeindechronik Planegg (Grau, Anton; Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg) am 1. Oktober 1956 wegen eines Rückerstattungsverfahrens an die Finanzmittelstelle München:
„Meinem Mann wurde - wie allen jüdischen Ärzten - im Oktober 38 laut Gesetz die ärztliche Approbation aberkannt. Damit war die Weiterführung der Praxis verboten.
Eine Übergabe an einen nichtjüdischen Kollegen war aber damals nicht mehr möglich. Mein Mann empfahl seinem damals schon sehr zusammengeschmolzenen Patientenkreis, sich an Dr. Wolfgang Stoeger, Planegg, heute Rudolf v. Hirschstr., zu wenden. Herr Dr. Stoeger hatte sich als einziger der Kollegen immer vorbildlich gegenüber meinem Mann verhalten, hat auch später bei einem Selbstmordversuch meines Mannes und dem drei Monate später erfolgten Selbstmord sich in einer menschlich hochstehenden Art unserer angenommen.
Dies bewog mich, nach dem Tod meines Mannes ihm den Teil der Instrumente, die er gebrauchen konnte, zu übermitteln.
Als eigentlicher Nachfolger meines Mannes - ohne Ankauf der Praxis - ist Herr Dr. Engelberg anzusehen, der sich in Krailling als Arzt niederließ und sehr bald alle Kassen bekam, da sonst in Krailling kein Arzt tätig war. Er übernahm den Großteil früherer Patienten meines Mannes. Weder zu Lebzeiten meines Mannes noch später haben wir aber eine Forderung an Herrn Dr. Engelberg auf Ablösung der Praxis gestellt. Wir hätten unter den damaligen Verhältnissen vielleicht einen Anspruch erheben können, Rechtskraft hätte er doch nicht erlangt. Außerdem hatte sich dank der üblen Hetze eines fanatisch nationalsozialistischen Kollegen in Planegg die zuerst außerordentlich gut gehende Praxis meines Mannes stark verringert, sodaß Herr Dr. Engelberg uns kaum regresspflichtig erschien. Die Bevölkerung war verängstigt durch die Machenschaften des Herrn N. N. Nach dem Zusammenbruch versuchte er dann, mein Schweigen in der Spruchkammer zu „erkaufen", was ich aber ablehnte. Der eigentliche Schädiger der Praxis meines Mannes ist aber diesem Herrn zu verdanken.“


Erich Aschenheim: Schreiben wegen Namensänderung an die Gemeinde Krailling vom 3. Januar 1939 (Bild Gemeindearchiv Krailling)
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Quellen:
Grau, Anton; Geschichte Planeggs im 19. und 20. Jahrhundert, in: Planegg, Geschichte und Geschichten, Bd. II, 2009, Gemeinde Planegg
Gemeindearchiv Krailling

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